20.06.2011, 3. Etappe: Vogelsang – Bütgenbach
(von Jan Hirt)
Wir sind jetzt schon 3 Tage hier und Alex und Fabi sind nach Hause gefahren. Das ist echt doof, die Stimmung ist im [ ]. Vielleicht liegt es ja am Regen, da es davon echt zuviel gibt. Die beiden Mathias und ich sind jetzt die letzten, wir finden das doof, aber wir müssen da jetzt durch.
Ich habe heute Geofrey kennen gelernt. Der ist echt super drauf und kommt aus Rwanda und studiert in Deutschland.
Heute Abend gab es Pasta, sie war echt gut, nur die Suppe hat mir nicht geschmeckt. Für das essen mussten wir 20 Minuten anstehen, jedoch war das zur Hauptzeit. Der Weg zur Küche ist echt weit, aber ich habe es gerade so überlebt.
Wegen der Kälte dürfen wir nicht im See schwimmen, da die Lehrer nicht wollen, dass wir krank werden. Im See sind Wasserburg, Hüpfburg, Wasserwippe und –kreisel. Ich würde gerne mal die Wasserhüpfburg ausprobieren, da ich auf so etwas noch nie gestanden habe, so geht es hier aber wohl den meisten.
Fairplay war heute für mich, dass wir denen geholfen haben, die nicht mehr konnten, zu Schieben ist echt anstrengend, da ich so etwas noch nie gemacht habe.
Außerdem haben wir heute Morgen eine Führung durch das Ausbildungslager Hitlers gemacht.
4. Etappe, 21.06.2011: Bütgenbach - Redange
Der heutige Tag führte uns von Belgien nach Luxemburg. Zu Anfang fuhren wir wieder im strömenden Regen, ab der Mittagspause wurde es glücklicherweise etwas besser. Zur Mittagspause hatten wir bereits fast 80 km hinter uns, leider konnte ab diesem Punkt Mathias Kill nicht mehr weiter fahren, da ihm die Knie schmerzten. Jan und Mathias Breitbach bewältigten mit mir auch noch die restlichen bergigen 60 km und waren sichtlich stolz auf sich. Heute kamen wir alle an unsere Grenzen, aber trotzdem halfen wir immer noch Schwächeren. Das ist Fairplay!
Wir haben Halbzeit, nach zwei leichteren Etappen in den vergangenen Tagen war das heute sicherlich die härteste. Vielleicht der richtige Zeitpunkt, mal über den Sinn unserer Tour zu reden.
Die Tour d´Europe verbindet wohltätige und erzieherische Ziele auf einzigartige Weise miteinander. Die rund 250 Schülerinnen und Schüler werben Sponsoren, die als Anerkennung ihrer sportlichen Leistung einen festen Betrag an die Welthungerhilfe spenden. Dieses Geld wird für Schulbauprojekte in Rwanda verwendet. Unsere Teilnehmer fahren also nicht, um „Spaß zu haben“, auch wenn der Spaß in der Regel natürlich nicht zu kurz kommt. Sie sind bereit, sich für einen guten Zweck zu quälen, sie zeigen ihre Solidarität mit Schülern, die es nicht so gut haben.
Und da sind wir bereits bei dem pädagogischen Effekt: wir fördern neben der erwähnten Solidarität das Miteinander der Schüler untereinander. Die Kinder schlafen zusammen in Turnhallen, sie fahren zusammen in einer großen Radgruppe und passen aufeinander auf, sie helfen sich gegenseitig, auch Kindern, die sie gar nicht kennen. Sie leiden gemeinsam bei Regen, bei Bergetappen, bei allen Schwierigkeiten, die in dieser Woche auf sie zukommen. Und jeder möchte irgendwie durchhalten, um nachher stolz zurückblicken zu können. Dabei erfahren sie, dass sie viel leistungsfähiger sind, als sie sich meist selbst zutrauen.
Die Kinder lernen viel für ihr Leben:
(M. Reiz)
5. Etappe, 22.06.2011: Redange - Rehlingen
Um 7 Uhr war Wecken angesagt, heute klappte das auch fast, denn es gab „Wecker-Verbot“. Man mag es nicht glauben, aber an anderen Tagen gibt es Spezialisten, die schon um halb sechs aufstehen und damit auch Unruhe in die Halle bringen.
Heute fuhren wir tatsächlich mal trocken los, was leider nicht von Dauer war. Nach ca. 30 km erwischte uns ein Gewitter, vor dem wir unter eine große Brücke flüchteten. Die luxemburgische Polizei sicherte uns dabei perfekt ab und mit der Zeit kam auch Stimmung auf, da einige Gruppen mit Gesängen alle anderen mitrissen.
Auch wenn wir dann erst mal von oben keinen Regen hatten, holte uns dieser aber irgendwann wieder ein. So wurden wir doch immer wieder nass, kamen aber bei trockenem Wetter in Rehlingen (Saarland) an.
Die verbliebenen drei Teilnehmer unserer Schule hielten heute auch alle die 115 km durch. Die Strecke war wellig, bereitete aber den Jungs erstaunlich wenig Probleme, Jan half sogar anderen im Berg. Leider wurden wir immer wieder auseinandergerissen, da Mathias K. zurück in Gruppe 8 fiel, Mathias B. zwischendurch seine Brille verlor und Herr Reiz als „Gruppenabschluss“ immer wieder anderen helfen musste, die nicht mehr konnten oder deren Kette abgesprungen war. Es gab, wie auch gestern, relativ viele Pannen durch defekte Bremsen, platte Reifen oder auch gerissene Ketten.
Jetzt sind wir alle müde und freuen uns auf eine hoffentlich ruhige Nacht, bevor morgen wieder eine schwerere Etappe von über 100 km startet.
6. Etappe, 23.06.2011: Rehlingen – Pirmasens
Juchuu! Sonnenschein! Zumindest entließ uns Rehlingen so, wie sie uns empfangen hatten: Strahlend blauer Himmel und glückliche Gesichter. Erstmals seit Beginn dieser Tour war Sonnenmilch vom Start der Etappe an Pflicht.
Sicherlich ergaben wir dann auch ein beeindruckendes Bild, wie wir mit 300 Radfahrern den Radweg an der Saar entlang rollten: Gut gelaunt mit unseren einheitlichen Trikots. Auch die uns entgegen kommenden Radfahrer und Fußgänger kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Auch die Stimmung unserer Jungs stieg sichtlich, angesichts des schönen Wetters.
Unserer Mittagspause legten wir nach 55 flachen Kilometern in Saargemünd ein, wo wir herzlich von hochkarätigen Vertretern der Großregion und des Eurosportpool empfangen wurden. Dieser Empfang war für die Fairplay-Tour ein besonderes Event, da es sich bei allen Beteiligten um wichtige Unterstützer der Tour handelte, ohne die unsere Veranstaltung nicht möglich wäre. So erhielten auch alle die traditonellen Tourplakate im Rahmen, auf denen sich alle Tourteilnehmer mit ihrem Namen verewigt haben, und die handgefertigten Modellfahrräder.
Anschließend kündigte sich schon beim typischen Sturz auf die Brote und Wasserflaschen am Himmel Düsteres an. So hieß die Devise auch: Weiterfahrt nur mit Regenjacke. Auf den ersten Kilometern hielt sich die Feuchtigkeit von oben noch in Grenzen und beschränkte sich mehr auf die Feuchtigkeit von innen, da wir die ersten Berge des Tages erklommen. So gab es ein lustiges Wechselspiel zwischen Jacke an und Jacke aus. Rund 25 km vor Pirmasens änderte sich die Sachlage, es schüttete wie aus Eimern und wir suchten ein wenig Rettung unter Bäumen. Doch leider blieb es auch weiterhin nass und wir kamen mal wieder mit nassen Füßen in Pirmasens an. Die Stimmung konnte das allerdings kaum verschlechtern, denn alle drei Jungs hielten durch und fanden es gar nicht mehr so hart, obwohl wir auch heute 108 km bewältigt haben. Und die drei werden immer mutiger, versuchen sogar selbst für Stimmung zu sorgen und andere den Berg hoch zu treiben. Sie erleben hautnah, was Fairplay bedeutet. Herr Reiz hat heute dann auch mal etwas verloren, seine Radflasche wurde von einem LKW „platt“ gemacht.
Am Stadion der Stadt Pirmasens wurden wir ebenfalls herzlich empfangen. Es gab dann ein absolutes Essenshighlight der diesjährigen Tour. Es gab Kartoffel- und Nudelsalat, Steaks und Würstchen vom Grill. Wir konnten alle nicht genug bekommen und schlugen uns den Bauch voll im Wissen, dass wir ja alles wieder abarbeiten…
6. Etappe von Mathias Breitbach:
Um 7 Uhr war Wecken. Dann hieß es auch schon Tasche packen. Das Frühstück war nicht so gut, da man sich nur ein Brötchen und ein Teller Cornflakes nehmen durfte. Eine halbe Stunde nach dem Frühstück war auch schon Abfahrt.
Der erste Teil der Etappe bis Saargemünd war sehr einfach, doch dann ging es erst richtig los. Der erste Berg war noch recht einfach, der 2. und 3. Berg waren dann schon heftiger. Der letzte Berg war schließlich der anstrengenste. In den Bergen habe ich trotzdem mal wieder beim Schieben geholfen.
In Pirmasens angekommen haben wir überall Dönerbuden gesehen. Gruppe 7 und 8 schlafen im Fußballstadion in einem großen Raum. Es gab zum Abendessen keine Spaghetti Bolognese (!), sondern ein schönes saftiges Steak vom Grill. Danach hatten wir noch viel Spaß zusammen.
7. Etappe, 24.06.2011: Pirmasens – Saarbrücken
Kein Regen! Die ganze Etappe! Ein Wunschtraum? Nein, heute war es Realität. Wenn es auch ein wenig frisch war, wir kamen aber trocken in Saarbrücken an. Die Strecke war, wie erwartet, leicht und mit 60 km auch kurz.
Daher hatten wir vormittags Zeit, alle zusammen das Dynamikum in Pirmasens zu besuchen und uns an den verschiedenen Experimenten zu probieren. Wir konnten in Gruppen aber auch jeder für sich das Museum erkunden. Es war richtig spannend, was es alles zu entdecken gab.
Auf dem Exerzierplatz wurden anschließend die Mannschaftsfotos geknipst und es gab eine kleine Stärkung. Erst dann verließen wir Pirmasens und hatten eine Etappe mit richtig guter Stimmung. Wir quatschten viel und Jan versuchte immer wieder durch Gesänge, die Stimmung in unserer Gruppe 7 anzuheizen. Aber am Besten gelang ihm dies mit seinen Sprüchen, wie z.B. dem Anfeuern von Zuschauern. Er rief ihnen zu: „Wo bleibt mein Applaus?“ Wenn die dann klatschen, sagte er ganz bescheiden: „Mach ich doch gerne!“ Dies und seine Bemerkungen zu helmlosen Radfahrern waren Highlights auf unserer gesamten Tour.
Saarbrücken bot uns eine gute Turnhalle in der Sportschule und leckeres, vielseitiges Essen, es gab sogar drei verschiedene Puddingsorten zum Dessert. Schlecht war allerdings, dass die Duschen nicht kalt waren, nein, sie waren eiskalt. Das führte dazu, dass Jan, Mathias K. und Matthias B. zu dem Schluss kamen, dass Duschen nach dem Radfahren maßlos überschätzt wird und somit für heute gestrichen wurde. Nach dem Radfahren ist schließlich vor dem Radfahren.
Gegen 22 Uhr begann dann die Abschlussveranstaltung in unserer Schlaf-Sporthalle. Herbert Ehlen zog ein Resümee zur diesjährigen Tour und war voll des Lobes. Wir hatten dem schlechten Wetter aber auch gut getrotzt! Anschließend wurden die Urkunden an die Betreuer übergeben, die sie an ihre Schüler verteilten. Zum Abschluss wurden noch die besten Spendensammler ausgezeichnet, bevor es etwas später als sonst in die Schlafsäcke ging.
8. Etappe, 24.06.2011: Saarbrücken – Konz
Am letzten Tourtag standen heute ca. 100 km auf dem Plan. Wir starteten um 9 Uhr in Saarbrücken in bester Laune. Jan und Mathias K. konnten gar nicht verstehen, dass alle anderen um die Uhrzeit noch nicht in „Partystimmung“ waren. So stießen sie mit ihren lauten Gesängen und Anfeuerungsrufen auf taube Ohren. Wir waren wohl alle noch zu müde.
Gegen Mittag fand aber auch der Rest der Gruppe langsam ihre Stimme zurück und wir fuhren gut gelaunt ´gen Heimat. Die Etappe war leicht, meistens den Saar-Radweg entlang, einzige Schwierigkeit waren die Temposteigerungen nach Engpässen, wo wir „Einerreihe“ fahren mussten. Mehrfach sind wir der Gruppe hinterher gesprintet, da machte sich bezahlt, dass wir Windschattenfahren trainiert hatten. Zwischendurch hat es leider hin und wieder geregnet, wieder einmal.
Gegen 15:45 Uhr fuhren wir dann endlich ins Stadion von Konz ein, die Stimmung war der absolute Wahnsinn. Und kaum standen wir auf dem Rasen, nahmen die Eltern ihre Kids wieder in die Arme.
Die drei Jungs sind stolz, es nicht nur geschafft zu haben, sondern auch anderen noch geholfen zu haben, die schwächer waren als sie. Und im Nachhinein war der Regen auch gar nicht mehr so schlimm. Trotzdem freuen sich alle auf eine warme Dusche und ein gemütliches Bett.
Ich gratuliere Jan, Mathias und Matthias ganz herzlich zu ihrer Leistung. Sie haben nicht nur eine körperlich respektable Leistung gebracht sondern sich auch durch ihr korrektes Fahrverhalten und ein sehr gutes soziales Verhalten hervor getan.
Und auch ihre Sorge, dass sie jetzt drei Fehltage auf dem Zeugnis haben könnten, konnte ich ihnen nehmen. Im Gegenteil, die drei haben in diesen acht Tagen eine Menge gelernt und werden sich sicherlich noch sehr lange an dieses Erlebnis erinnern.
M. Reiz