Tour-Tagebuch der FairPlay-Tour 2010

Am kommenden Samstag, dem 19.06. ist es nun endlich soweit, die Tour 2010 startet und wir sind dabei! Wir sind aufgeregt, was uns denn erwarten wird, freuen uns aber schon sehr: aufs Radfahren, auf die vielen anderen Schülerinnen und Schüler... Viele Fragen beschäftigen uns: Sind wir fit genug? Wie wird das Wetter? Können wir nachts auch schlafen? Haben wir alles dabei, was wir unterwegs benötigen?
Im Vorfeld der Tour haben wir uns Sponsoren gesucht, die mit ihrer Spende das Schulbauprojekt des Landes Rheinland-Pfalz und der Deutschen Welthungerhilfe in Kamwambi in unserem Partnerland Ruanda unterstützen.
Für dieses Projekt sind 1240 Euro zusammengekommen! Vielen Dank an unsere Sponsoren!
Tag 1:
Heute ging es endlich los, wir starteten in Daun und fuhren mit anderen Gruppen nach Traben-Trarbach. Die 69 Kilometer waren locker und wir hatten mächtig Spaß, alles war gut organisiert, naja, ein kleines Gepäckchaos gab´s dann doch noch.
Wir haben uns unsere Gedanken zu FairPlay gemacht, wie wir es heute erlebt haben: Rücksichtsvolles Fahren in der Gruppe (immerhin ca. 300 Radfahrer!), vor Hindernissen wird gewarnt. Super, wie das so läuft.
Tag 2:
Die Wecker klingelten. Wir schauten ungläubig auf unsere Uhren: 5 Uhr!!! Also umdrehen, weiterschlafen bis um 6 Uhr, dann Licht an, Trillerpfeife, "yippie"! Frühstück war lecker, aber dann hörte der Spaß auch schon auf, wir radelten los und es ging bergauf, danach ging es weiter bergauf... Bei Kilometer 38 hatten wir endlich den Erbeskopf erreicht. Zur Erinnerung: der Erbeskopf ist die höchste Erhebung von Rheinland-Pfalz. Gefühlte Höhe: ca. Zugspitze! Aber wir haben alle durchgehalten, auch wenn der eine oder andere mal Schub-Hilfe oder Motivationssprüche wie "Quäl dich, du Sau" (frei nach Udo Bölts) brauchte. Aber auch das ist FairPlay, die Starken helfen den Schwachen. Es war auf jeden Fall ziemlich anstrengend, nicht zuletzt weil wir erst nach 112 Kilometern und immer wieder mit Regen Saarbrücken erreichten. Aber die Menschen in den Orten und die beeindruckende Anzahl der Mitfahrer halfen uns durchzuhalten. Essen war lecker!
Tag 3:
Heute ging es von Saarbrücken nach Hayange in Frankreich. Die Strecke war "nur" 106 Kilometer und bei weitem nicht so hart wie gestern. Außerdem war die Landschaft echt schön und es regnete mal nicht!!! Allerdings tun langsam die Beine weh und die Vaseline kommt zum Einsatz. Wir haben natürlich alle einen Sonnenbrand bekommen, außer Mathias und Martin. In Hayange haben wir in einer alten Turnhalle geschlafen, leider kam kaum Wasser aus der Dusche und die Toiletten waren nicht so schön.
Tag 4:
108 Kilometer von Hayange nach Arlon in Belgien, ganz schön wellig, es ging bergauf, dann bergab, dann wieder bergauf, bergab ... und das eigentlich die ganze Zeit. Mittagspause haben wir am Europadenkmal in Schengen gemacht. Es gibt dann immer lecker Brote mit Käse, Salami oder Nutella und Rosinenstuten mit Butter oder Nutella. Trotz Bein- und Poposchmerzen werden wir immer besser, halten viel besser durch. Wer schon einmal von Schengen aus hoch gefahren ist, weiß unsere Leistung zu schätzen. Die Stimmung im Feld ist einfach klasse. Das Wetter war spitzenmäßig, sonnig und warm, was will man mehr? Geschlafen haben wir in einer Kaserne auf Fließen, es war kalt, ziemlich kalt! Mathias und Martin haben sich entschieden, auf der Wiese zu schlafen, haben es allerdings morgens bereut, denn es war nicht nur kalt, sondern auch nass.
Tag 5:
Was für ein Tag! Zwar waren es nur 91 Kilometer von Arlon nach Neuerburg in der Eifel, die hatten es aber in sich. Zitat Sarah und Ailina: "Die Tour ist kein Ponyhof, auch wenn wir reiten." Wir sind alle heute an unsere Grenzen gekommen. Schaut euch mal das Profil unter
www.fairplaytour.de und dann Tour 2010 und Etappen an, dann wisst ihr, wovon wir reden. Dort findet ihr im Übrigen auch jede Menge Bilder. Umso besser war das Gefühl, als wir oben waren und es tatsächlich alle geschafft haben. Wir sind verdammt stolz auf uns!!! Und auch den Inhalt von FairPlay und Teamgeist haben wir wieder erlebt, 300 Menschen, die alle das gleiche Ziel haben, sich gegenseitig helfen, sich anfeuern oder auch gemeinsam leiden. Schwäche zeigen ist kein Problem. So kann Sport sein, es geht nicht immer darum, der Beste zu sein. Zur Belohnung sind Turnhalle, sanitäre Anlagen und Essen einwandfrei.
Tag 6:
Wir werden härter! Noch vor einer Woche wäre uns diese Etappe sehr schwer gefallen, jetzt empfanden wir die 83 Kilometer ganz angenehm. Es ging zwar stetig bergauf, aber nur zweimal ein wenig steiler. Zitat des Tages: "Ich beiß dich kaputt, du ... (den Berg). Aufmunterungssong des Tages: "ich bin bereeit!" Höhepunkt des Tages: der See!!! Schwimmen, Sonne, Spaß. Wir haben es uns verdient! FairPlay-Erfahrung des Tages: Wir haben beim Flicken und Schieben geholfen. "Sarah hat sich selbst geschoben" (Zitat Sarah).
Tag 7:
Heute ging es von Bütgenbach in Belgien nach Diekirch in Luxemburg. Die Etappe war durchaus anspruchsvoll, zwei Berge waren wieder besonders heftig. Auch unsere Energie nimmt langsam ab und der Muskelkater wird spürbar. Man muss bedenken, wir sitzen jeden Tag ca. 6 Stunden auf dem Rad, reine Fahrzeit ohne Pausen. Aber wie beißen uns durch! Wieder musste keiner von uns geschoben werden und keiner hat aufgegeben. Es ist ein tolles Gefühl, soviel geleistet zu haben. Die Stimmung erreichte heute ihren Höhepunkt nach der Mittagspause. 30 Kilometer lang haben wir nur gesungen, sämtliche Partykracher, aber auch den Toursong haben wir in unserer Gruppe gemeinsam angestimmt. Martin hat kaum noch Stimme. Spruch des Tages: "Herr Reiz, sie machen mich fertig" (Sarah).
Rückblickend können wir jetzt schon sagen, dass die Tour eine einmalige Erfahrung war, wir haben FairPlay täglich erfahren können, wir sind zu einem Team geworden und teilweise an unsere Grenzen gekommen, die höher liegen als wir uns es selbst zugetraut hätten. Wir spüren Muskeln, wo wir sie noch gar nicht kannten. Außerdem wissen wir, unser Zuhause ist purer Luxus im Vergleich zum Schlafen in Turnhallen, (zum Teil kalten) Gemeinschaftsduschen und -Toiletten. Wir haben viele neue Menschen kennen und schätzen gelernt.
Tag 8 (letzter Tag):
Die 65 Kilometer von Diekirch nach Schweich ließen wir noch einmal schön rollen. Unterbrochen wurde die lockere "Heimfahrt" nur durch den Aufstieg zum Helenberg, aber das kann uns jetzt nicht mehr schocken. Oben gab es warmes Mittagessen. Außerdem wurden die besten Spendensammler ausgezeichnet. Martin war sogar der beste Spendensammler aller Tourteilnehmer, aber auch Mathias gehörte zu den erfolgreichsten Sammlern. Beide erhielten dafür ein Präsent aus Ruanda. Nach der stimmungsreichen Abfahrt fuhren wir ins Stadion nach Schweich ein, wo wir von der jubelnden Menge empfangen wurden. Ein tolles Gefühl für uns, und der Anblick der 300 Radler war sicherlich auch beeindruckend.